Bulletin 25/2011
Er ist dort, wo es brennt oder auch einfach nur ganz friedlich zu und her geht: Der angehende soziokulturelle Animator Raphael Adam ist ab anfangs September auf Ebikons Strassen und Plätzen unterwegs zu Jugendlichen. Er übersetzt und vermittelt, wenn sich Junge und Erwachsene im öffentlichen Raum nicht verstehen.
Freitagabend, Eine Gruppe Jugendlicher steht beieinander, es wird diskutiert, jemand lacht. Ein Mann, halblanges Haar und schwarze Nerdbrille (Nerd; engl. für Streber) nähert sich der Gruppe. „Hallo zusammen, wie geht’s?“ „Hoi Rafi, alles klar.“ Man kennt sich. „Dass ich in meinem vergangenen Jahr als Praktikant bei der jufa bereits alle Oberstufenschülerinnen und –schüler kennengelernt habe, ist für meine neue Aufgabe ein riesiger Vorteil“, sagt der, den sie Rafi nennen. Raphael Adam, angehender soziokultureller Animator, wird ab anfangs September zu 50 Prozent in der aufsuchenden Jugendarbeit tätig sein. Das bedeutet, dass er an Nachmittagen und Abenden während der Woche auf fixen Touren an beliebten Treffpunkten von Jugendlichen vorbeigeht. „Diese können sich je nach Zusammensetzung der Jugendlichen immer wieder verändern. Die neuralgischen Punkte sind jedoch meist dieselben: die Bahnhofunterführung, die Kirchentreppe, der Spielhimmel, Plätze bei den Schulhäusern beim Freizeitpark Schmiedhof etc.“, weiss Raphael Adam aus Erfahrung.
13. September 2011
Genau dieses Bänkli muss es sein
Mit dem neuen Modell setzt die jufa auf Früherkennung von Problemherden. Themen wie Lärm oder herumliegender Abfall werden vor Ort angesprochen. "Ziel ist es, dass wir die Jugendlichen und betroffenen Erwachsenen beim Suchen nach Lösungen unterstützen", sagt Beat Furrer, Leiter Fachstelle für Jugend und Familie Ebikon/Buchrain jufa.
"Ich sehe mich als Vermittler- und Übersetzer für beide Seiten", sagt Raphael Adam. "Wenn zum Beispiel im neuen Freizeitpark Schmiedhof zwei Seniorinnen regelmässig gern auf einem bestimmten Bänkli sitzen, dies jedoch auch von Skatern häufig benutzt wird, weil eben nur diese Sitzgelegenheit für bestimmte Tricks perfekt taugt, dann hilft oftmals das Wissen um die Bedürfnisse beider Seiten, um eine Lösung zu finden." Wenn alles gut laufe, brauch es ihn nach dieser ersten Verständigungsphase nicht mehr, weil sich die verschiedenen Gruppen kennengelernt und vernetzt hätten und sich direkt miteinander austauschten, beschreibt Adam den optimalen Fall seiner Arbeit.
Sich respektvoll begegnen
Weniger optimal, aber auch eine Realität, sind betrunkene Jugendliche, die der Animator auf seinen nächtlichen Gängen manchmal antrifft. In diesen Fällen kann sein Auftrag auch einmal so aussehen, dass er dafür sorgt, dass die Alkoholisierten sicher nach Hause kommen. "Danach wird die jufa als Nachbetreuung Kontakt zu den Eltern des Jungen aufnehmen und ihnen Beratungsunterstützung anbieten", so jufa-Leiter Beat Furrer.
Weil der soziokulturelle Animator weder die Rolle eines Elternteils, einer Lehrperson oder eines Freundes einnehmen muss, ist es für ihn oftmals einfacher, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, weiss Adam. Die Teenager wüssten auch, dass er nicht einen auf Moralapostel mache und es auch nicht zu seiner Aufgabe gehöre, sie wegzuweisen. "In meinen Begegnungen erlebe ich die Jugendlichen meistens anständig und entgegenkommend, wenn ich sie mal darauf hinweise, ihren Abfall nicht liegen zu lassen oder etwas ruhiger zu sein."
Info-Apéro am 29. September
Raphael Adam, ist ab dem 1. September in einer 50 Prozent-Anstellung für die aufsuchende Jugendarbeit zuständig. Mit einem Info-Apéro am 29. September, 19.30 Uhr im phönix stellt Rafael Adam sich und seine neue Rolle den interessierten Jugendlichen und Erwachsenen vor. Aus organisatorischen Gründen bittet die jufa um Anmeldung bis am Fr, 23. Sept. per Mail an raphael.adam@ebikon.ch.
Wichtig für diese Aufgabe ist seine enge Vernetzung mit den Verantwortlichen von Schule, Gemeinde, Polizei und dem privaten Sicherheitsdienst AFM. Wer mit Raphael Adam das Gespräch wegen Jugendlichen und ihren Treffpunkten suchen und seine Vermittlertätigkeit in Anspruch nehmen möchte, kann ihn auch ausserhalb der üblichen Anwesenheitszeiten über die offizielle jufa-Telefonnummer 041 440 62 88 kontaktieren.
Der 27-Jährige lebt in Hergiswil und war vor seiner Aufgabe in Ebikon als kaufmännischer Angestellter in einer PR-Agentur tätig. Neben Studium als Soziokultureller Animator an der Hochschule Luzern – Sozialarbeit und seiner Berufstätigkeit ist der Nidwaldner leidenschaftlicher Vollblutmusiker, singt in Musicals und ist OK-Präsident des Lakesidefestivals.



