| Vom Zisterzienserkloster zur Stiftung für Schwerbehinderte
Haus des Rates Zur Sühne seiner Sünden kaufte Peter Schnyder, Bürger von Luzern, 1246 ein Grundstück im Riedholzgebiet in Ebikon. Dieses schenkte er einer kleinen Beginengemeinschaft (Angehörige einer halbklösterlichen Frauenvereinigung), die sich im Riedholz niederliess. Um den Kaufvertrag besser zu schützen, übertrug Peter Schnyder das Grundstück der Zisterzienserabtei Kappel, die dafür die geistliche Leitung der Schwestern übernahm. 1251 wurden auf dem Grundstück eine Kapelle sowie Werkhäuser errichtet. Ihre Stätte nannten die Schwestern von nun an Domus Consilii, Haus des Rates, also Rathausen. Als das Klosterkirchlein 1259 geweiht war und die Markgenossenschaft Ebikon ihr Lehen Rietholz an die Rathauserinnen verkauft hatte, erlaubte das Generalkapitel der Zisterzienser die Aufnahme Rathausens in den Orden. 1261 wurde Rathausen eine Zisterzienserinnenabtei und kam 1266 unter die Obhut der näher als Kappel gelegenen Abtei St. Urban und unterstand ihr bis zur Aufhebung 1848. Bei der Aufhebung durch das Dekret des Grossen Rates eignete sich der Staat sämtliche Liegenschaften an, die noch im Besitz des Klosters waren. |
| Kantonales Lehrerseminar und Bourbakisoldaten Die leerstehenden Gebäude wurden von 1849 bis 1867 vom Kantonalen Lehrerseminar genutzt. 1871 wohnten eine Zeitlang Bourbakisoldaten in Rathausen, und 1881 wurden die Klosterräume in ein Absonderungsheim für Pockenkranke umfunktioniert. 1883 bis 1951 diente das ehemalige Kloster als Verpflegungs- und Erziehungsanstalt für arme Kinder. Um die Erziehungsanstalt ökonomisch auf sichere Beine zu stellen, wurde der "Milchhof" mit der Anstalt verbunden. Die rationelle Bewirtung des Hofes erforderte mit der Zeit verschiedene bauliche Änderungen. Ab 1902 konnte man schwachbegabte Kinder dem Heim Hohenrain zuweisen. Rathausen nahm nur noch jene armen Kinder auf, die bildungsfähig waren und deren Aufnahme für die anderen Kinder weder gesundheitliche noch moralische Gefahren brachte. |
| Das Kinderdörfli 1951 wurde die Anstalt Rathausen in eine private Stiftung umgewandelt. Der Staat übergab sämtliche bisher in Nutzniessung des Heimes liegenden Vermögensteile der Stiftung. Ebenfalls unterstützte der Kanton Luzern die Stiftung durch Übernahme der Aufwendungen für die Lehrerbesoldung an den Heimschulen, durch Beiträge an die Kosten des Heimbetriebes und an Um- oder Neubauten der Heimgebäude. Rathausen wandelte sich von der Erziehungsanstalt zum Kinderdörfli. Das Heim wurde nach einem Pavillonsystem gestaltet mit entsprechenden Familiengruppen. 1953 wurde das Kinderdörfli offiziell eröffnet. Das Kinder- und Jugenddörfli Rathausen war ein Schulheim für normalbegabte und lernbehinderte Kinder und Jugendliche mit Schul- und Verhaltensschwierigkeiten. Mit dem Heimaufenthalt sollten Entwicklungsdefizite in den Bereichen des Zusammenlebens, des Gefühllebens und der intellektuellen Fähigkeiten aufgeholt werden. |
| Heute Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL 1971 wurde die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL gegründet. Zwar werden behinderte Kinder und junge Erwachsene im Kanton Luzern schon seit 1904 heilpädagogisch geschult und gefördert. Lange Zeit fehlten aber Wohnheime und geschützte Beschäftigungswerkstätten für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung, die den Anforderungen an einem Arbeitsplatz nicht entsprechen konnten. Auf dem Areal "Brändi" in Horw wurde erst 1971 das erste Arbeitszentrum für "geistig und körperlich Invalide" gebaut. Elternvereine, die kantonale Fachkommission und verschiedene Organisationen gründeten 1971 die Stiftung für Schwerbehinderte (SSBL). 1972 konnte die SSBL mit dem "Eichwäldli" in Luzern die erste Beschäftigungsstätte eröffnen. Der Bedarf an Wohn- und Beschäftigungsplätzen nahm laufend zu, sodass weitere Wohnheime realisiert wurden. 1983 konnten die leer stehenden Gebäulichkeiten im ehemaligen Kinderdörfli Rathausen von der Stiftung genutzt werden. Rathausen wurde zum Geschäftssitz der SSBL. 1992 konnte in Wolhusen das erste neu gebaute Wohnheim der Stiftung eröffnet werden. Heute verfügt die SSBL, verteilt auf das ganze Kantonsgebiet, über 9 Wohnheime mit insgesamt 34 Wohngruppen, drei Tagesstätten und ein Kinderheim, in denen 350 Menschen mit schweren geistigen Behinderungen von 640 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - verteilt auf 390 Vollzeitstellen - begleitet und betreut werden. |




