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Seniorin im Klassenzimmer (Kindergarten St. Anna 2)

Publiziert: 15.05.2018

                                                                      

Das Projekt Seniorinnen und Senioren im Klassenzimmer läuft unter dem Patronat und der Leitung von Pro Senectute Kanton Luzern. Interessierte Personen leisten in der Regel zwei Mal pro Monat Einsätze in Kindergärten oder Primarschule. Die Volksschule Ebikon schätzt die Unterstützung sowie die Begegnung zwischen den Generationen sehr und betrachtet es als eine Bereicherung. Ursula Ehgartner-Seiler ist Seniorin im Kindergarten St. Anna 2 und berichtet über ihre Begegnungen und Arbeit mit den Kindern:

Ja, ist denn der Schellen-Ursli mit Fussballschuhen zur Alphütte gelaufen, um seine Schelle zu holen, fragte mich einst eine Gruppe Kindergärtler. Sie kannten ja nie genagelte Schuhe, wie wir sie einst noch trugen, wenn’s draussen Schnee und Eis hatte.

Ich bin seit über 10 Jahren als Seniorin im Klassenzimmer in Ebikon tätig. Lange Zeit im Kindergarten Innerschachen und seit gut vier Jahren im Kindergarten St. Anna 2 bei Christine Schäfer. Ich bin sozusagen das „Chendsgigrossi" und verstehe mich auch als Bindeglied zwischen der alten Generation und der jetzigen.

Wohl für mich selber kann ich die Vergleiche von früher und heute ziehen, denn wir hatten am Montagmorgen jeweils die Hände mit sauberen Fingernägeln und das saubere Taschentuch der Kindergärtnerin, einer Klosterfrau zu zeigen. Sauberkeit war ein erstrebenswertes Ziel, nebst Gehorsam. Heute werden keine sauberen Hände mehr gezeigt, die Kinder dürfen anstelle von ihrem Wochenende erzählen und der Gruppe kleine Souvenirs oder Fotos davon präsentieren.

Als dann meine beiden eigenen Söhne in den Kindergarten kamen, waren sie  beim Kindergarteneintritt viel älter, als die Kinder es heute sind. Um aber vorher den Kindern schon soziale Kontakte zu ermöglichen, initiierte und gründete ich damals in unserem Quartier eine Spielgruppe.

In all den Kindergartenjahren sind Christine Schäfer und ich zu einem tollen Team zusammengewachsen. Ich bastle und male mit den Kindern, erzähle Bilderbücher, mache Gesellschaftsspiele, begleite eine Kleingruppe bei einem Arbeitsauftrag, gehe auf Besuch im Familienecken und unterstütze und helfe einfach wo ich gerade gebraucht werde. Wir beide hatten Unterbrüche: Sie bei Schwangerschaften und Geburten ihrer zwei Buben und ich bei meinen Erkrankungen. Dabei schätze ich sehr, dass wir mit den Kindern offen darüber sprachen. Wir beide freuten uns jeweils, wieder zurück zu den Kindern zu gehen.

Aktuell haben wir das Thema „ Post“ im Kindergarten. Die Kinder schreiben Briefe, falten Couverts, malen Briefmarken, wägen Pakete, rechnen mit Briefmarken, tippen auf der Schreibmaschine Texte, spielen Postboten und bedienen Kunden am Postschalter. 

Ich kann ihnen «Zeit» schenken! Doch auch der Austausch von Gedanken mit den Kindergärtnerinnen einer jüngeren Generation schätze ich sehr. Jedes Jahr ist es für mich eine Freude, die Entwicklung der Kinder mit zu verfolgen. Bei den ersten scheuen Begegnungen beim Eintritt und dann am Ende des Schuljahres. Dieser grosse Entwicklungssprung bis zur Reife der Schule ist ein wunderbares Erlebnis. So lerne ich von den Kindern den Tag so zu nehmen wie er kommt. Die Tätigkeit ist für mich eine Bereicherung und ein Vergessen von meinen «Altersbresten»! Es ist symbolisch ein aufgehender Ast der zum Blühen kommt, was ich mit meinen 77 Jahren eher umgekehrt sehe. 

Geschrieben von Ursula Ehgartner-Seiler, Seniorin im Klassenzimmer

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15.05.2018
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